PERLONEX: Perlonoid - REVIEWS

Das Trio Perlonex besteht seit neun -(zehn) Jahren und verfügt bereits über eine beachtliche Diskografie. Diese Musik taugt weder für den Sonntagsnachmittagskaffee noch für late night Kerzenschein, sondern erfordert ungeteilte Offenheit, Konzentration und Hingabe. Mastermind, Turntabler, Sound & Visual Artist, Performer, Komponist... Ignaz Schick versteht sich als Improvisationsmusiker und ist ein Beispiel par excellence für die Gratwanderungen, die Musiker unternehmen, die längst alle Grenzen überschritten haben und sich stil-egal im Niemandsland zwischen Echtzeitmusik, und improvisierter Musik bewegen. In Jörg Maria Zeger und Burkhard Beins hat er zwei Musiker gefunden, für die ihre Instrumentarien - Gitarre und Schlagzeug - eben- und bestenfalls das Basismaterial für ausgedehnte Exkursionen in neue musikalische Grenzregionen liefern. Das 46-minütige Stück wurde live bei den Echtzeitmusiktagen 2010 in den Berliner Sophiensaelen aufgenommen. Elektro-akustische Improvisationsmusik, Jazz-Core, Musique Concrete, Industrial Noise, Ambient, Minimal, Psychedelic, Avantgarde, Creative Music oder gar Berlin Nouvelle Vague - einfach hören.
- Michael Schaust, JazzPodium -

Auf Perlonoid ertönt das Trio aus Ignaz Schick, Jörg Maria Zeger und Burkhard Beins in einer Liveaufnahme aus dem Jahre 2010. Diese sehr konzentrierte und introvertierte Musik entstand während der Echtzeitmusiktage in den Berliner Sophiensaelen. Perlonex sind hier die Väter (Kinder?) im Geiste von The Necks oder AMM, in dem nämlich jeder Musiker stoisch und voller Konzentration auf den Gesamtklang einzahlt. Eine große Kreiselwelle entsteht so, die sich aus der Kraft der gemeinsamen Anstrengung speist - da ist kein Platz für flippige Soloausflüge. Auch die chaotisch-eruptiven Momente auf Perlonoid, die es durchaus gibt (etwa ab Minute 14 ein schrilles Gitarrenfeedback und rollende Becken), sind zwar dynamische Spitzen, bleiben von der Anmutung aber trotzdem dem kontrollierten Gesamtsound intrinsisch. Was toll ist, denn so wird die Energie gehalten und speist in die große Bewegung ein, die ein lavahaftes Fliessen darstellt. Perlonoid ist ein erfreuliches Wiederhören mit einem spannenden Projekt, das dem Vernehmen nach nach einer längeren Pause nun auch wieder aktiver sein wird. We hope so.
- Zipo, auf abwegen -

I hadn't heard any music from Perlonex in a few years, so it was good to see something new again. Although the word 'new' is merely relative, as Perlonoid was recorded in 2010 by this trio of Ignaz Schick (turntable, objects, sine waves, live-electronics, feedback), Jörg Maria Zeger (electric guitars, live-electronics, feedback) and Burkhard Beins (drums, percussion, objects, zither). This is the start of a couple more archive releases as well as new music later this year. The group has been on a hiatus for some years, partly due to all of these people playing with so many other improvisers, all over the world. The last time I heard music by Perlonex it was recorded with Charlemagne Palestine, well before this was recorded, and it is interesting to see that also Perlonoid has a minimalist touch, with however a very maximum dynamic range. The piece is forty-six minutes and moves in two waves from quite mellow via crescendo to something very loud. It is like they performed the same piece twice in a row, but of course there are many small differences. It is a heavily layered, orchestral piece that keeps building layer upon layer and in their two peaks becomes very forcefully loud. Essentially, so I was thinking, this is a drone record, but then played by a trio of musicians, working with an odd range of instruments and sounds. On Schick's turntable we don't find any vinyl, but objects rotating (and I read that this was the last time he did use it like this; now he's back to using vinyl again), but that is something that we hardly find back in the music. Only at the break in the middle and the last two minutes one hears the instruments as they are. It starts out with an ominous drone already. This is a fascinating piece of music; minimal, maximal, powerful and highly intense. I would recommend this at a high volume and let the sound wash you away.
- Frans de Waard, Vital Weekly -

Echtzeitmusiktage Berlin 2010, mittendrin auch PERLONEX, zu einem Zeitpunkt, als in der Szene bereits Leistungsbilanzen angesagt waren (wie der 2011 erschienene Echtzeit-Companion beim Wolke Verlag und 2012 die CD-Box bei Mikroton), als Rückblicke mit Selbstzweifeln und Orientierungsbedarf. Auch für das Trio aus Ignaz Schick, Jörg Maria Zeger & Burkhard Beins kam es zu einer mehrjährigen Denkpause. Aber Perlonoid (Zarek 16) zeigt sie in den Sophiensälen noch demonstrativ mit dem ganzen Eigensinn ihrer dröhnminimalistischen Ästhetik aus Noise und Feedback per Turntable, Sinuswellen, E-Gitarre und Live-Electronics sowie 'flacher' Perkussion. Reibung statt Beats, Kreis- und Spiralbewegungen statt linearer und vertikaler. Die scheinbare Opposition von B/B/S/ und Xenofox (Olaf Rupp soll ja sogar den Begriff 'Echtzeit' geprägt haben), bildhaft gesprochen, das Nebeneinander von Rothko und Pollock, hat in Perlonex einen Wegbereiter des langen Wegs zum Throne of Drones auf der 'Rothko' /B/B/S/-Seite. Wobei die drei sich mit Keith Rowe und Charlemagne Palestine bravourös der Anxienty of Influence gestellt haben, um letztlich den Scheinwiderspruch von minimal und maximal aufzuheben. Wummernde Dröhn- und Pulswellen werden mit Krimskrams fein akzentuiert, sowohl von Schick auf dem Plattenteller als auch von Beins auf Fell und Blech. Rotierende Gesten, gemischt mit Feedback und pfeifendem Sinuston, verdichten sich, schwellen an, surrend und im Schleudergang. Die Becken rauschen zu motorischem Gebrumm und nun doch auch dumpfem Herzschlag. Wo die Klangwolken, das Klangbeben, das schwärmende Feedback im Einzelnen herrühren, ist nebensächlich, wenn es so groovt wie ab Minute 15. Beins tremoliert wie ein Schellenbaum im Sturm, Sandstrahl oder Eiskristalle entfalten eine mörderische Bissigkeit. In der 22. Min. reisst das ab, in der Stille nach dem Sturm bibbern einige Moleküle nach. Und sammeln sich in schmerzlustvoller Erwartung einer weiteren Zernichtung, die sich aber vorerst nur rumorend und brodelig ahnen l&o#auml;sst. Doch sie kommt, oh ja, sie kommt. Zu diskantem Kettengeräusch, klopfendem Tremolo und körnig schnarrendem Sirren und Jaulen crescendiert da über eine gefühlte Unendlichkeit hinweg ein zweiter, sagenhaft dosierter Partikelsturm als perlonoider Rausch, der in blechernem Kladderadatsch und einem von Klangschale zart bedongtem und betrillertem Vinylknurschen ausläuft.
- Rigobert Dittmann, Bad Alchemy -

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